Bücherwand - Installation von Harald Kubiczak

Die Installation „Bücherwand“ besteht aus etwa 3.600 Büchern einer Leihbücherei der 50er Jahre, die Harald Kubiczak 1990 in einem ehemaligen Tabak- und Zeitschriftenladen in Mainz gefunden hatte. Die Buchtitel wurden seinerzeit speziell für die Ausleihe in Leihbüchereien aufgelegt, wo man sie dann für ein paar Groschen ausleihen konnte. Hauptsächlich sind es Liebesromane, daneben Western, Krimis und auch einige Science-Fiction-Romane.

Bei der Installation der Bücher ähnlich einer Mauer, die eine Wandfläche vollständig von Boden bis Decke ausfüllt, werden die Bücher nach Genre sortiert aufeinander geschichtet, so dass man als Betrachter aus der Nähe die Titel auf den Buchrücken lesen kann. Mit zunehmendem Betrachtungsabstand stellt sich der Eindruck eines farbig strukturierten linearen Geflechts ein.

Die Installation wurde erstmals 1990 im „Kästrich“ eingerichtet, einem von Harald Kubiczak gegründeten Forum für zeitgenössische Kunst in Mainz. 1993 war sie Teil des Zentrum Leseförderung auf der Frankfurter Buchmesse. Bei einer weiteren Installation in der Stadsgalerij Heerlen (Niederlande) erstreckte sich die Installation über zwei Etagen eines offenen Ausstellungsraumes.

Die „Bücherwand“ ist auch Ausgangspunkt weiterer Projekte von Harald Kubiczak. Dazu zählt die performative Lesung von einhundert letzten Sätzen aus einhundert Liebesromanen der „Bücherwand“, betitelt „Ende“ (u. a. Het Hermetisch Zwart, Nijmegen; Künstlerhaus Dortmund; De Vookamer, Lier, Belgien). 96 letzte Seiten sind auch Basis eines vierteiligen Wandbilds, bei dem ebenfalls 96 gesprochene letzte Sätze eingespielt werden (De Vookamer, Lier, Belgien 2008).

Die gegenwärtig angestrebte permanente Einrichtung der Installation „Bücherwand“ zielt - neben ihrem künstlerischen Anspruch - auf die dauerhafte Dokumentation des kulturellen Phänomens der Leihbüchereien der Nachkriegsjahre, einem heute kaum mehr bekannten Dokument der jüngeren Zeitgeschichte.

Öffentliche Bibliotheken, die an einer Einrichtung der „Bücherwand“ interessiert sind, werden ermutigt, sich mit Harald Kubiczak in Verbindung zu setzen (art(at)circuit-art.org).

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Links: Stadsgalerij Heerlen; rechts: close-up